Heizkosten nach Bundesland: was das Klima ausmacht
Die Energiepreise sind bundesweit fast gleich, die Winter nicht. Diese Seite zeigt, wie stark das Klima eines Landes die Heizkosten verschiebt und wo seine Wirkung endet.
Nachgerechnet von Radif Partners · Redaktionsgrundsätze · So rechnen wir
Heizkosten in Ihrem Bundesland
Wärmepumpe im Jahr
1.448 €
| Gasheizung im Jahr | 2.657 € |
| Gradtagzahl (DWD) | 3.318 |
| Wärmebedarf | 17.941 kWh |
Effizienzklasse E, Preise 2026.
Ein Haus braucht in einem kalten Bundesland mehr Wärme als in einem milden, weil die Heizperiode länger und die Außentemperatur niedriger ist. Gemessen wird das mit der Gradtagzahl des Deutschen Wetterdienstes. Im Mittel 2021 bis 2025 reicht sie von 2.917 in Hessen bis 3.475 in Thüringen, ein Abstand von 19 %. Auf die Heizkosten schlägt das schwächer durch, denn das Warmwasser, rund 19 % des Bedarfs, hängt nicht vom Wetter ab. Ein Haus mit 140 m² in Effizienzklasse E kostet mit Gas in Hessen 2.395 € im Jahr, in Thüringen 2.759 €, also 15 % mehr. Mit einer Luft-Wärmepumpe sind es 1.306 € und 1.504 €. Jede 100 Gradtage mehr kosten dieses Haus rund 65 € Gas oder 36 € Strom im Jahr. Der Zustand des Hauses wiegt schwerer: Ein unsaniertes Haus der Klasse G in Hessen braucht mehr als doppelt so viel wie ein Haus der Klasse C in Thüringen.
Warum dasselbe Haus nicht überall gleich viel kostet
Heizen ersetzt die Wärme, die durch Wände, Dach und Fenster nach draußen geht. Wie viel das ist, hängt am Temperaturunterschied zwischen innen und außen und daran, wie lange er anhält. Beides fasst die Gradtagzahl zusammen, die der Deutsche Wetterdienst nach VDI 3807 für seine Stationen veröffentlicht. Je höher sie ist, desto mehr Wärme braucht ein Haus im Jahr, bei gleicher Bauweise. Die Preise für Gas und Strom unterscheiden sich in den Daten, mit denen diese Seite rechnet, nicht nach Ländern: Das Statistische Bundesamt meldet bundesweite Durchschnitte. Jeder Unterschied in der Tabelle unten kommt deshalb allein vom Klima.
Drei Gründe für kältere Länder
Erstens die Lage im Osten. Je weiter ein Ort vom Atlantik entfernt ist, desto kälter werden die Winter. Sachsen, Thüringen und Brandenburg liegen deshalb über dem Mittel, obwohl sie nicht weiter nördlich liegen als Hessen. Zweitens die Höhe: Erfurt, Gera und Chemnitz liegen höher als die Städte am Rhein, und mit jedem Höhenmeter sinkt die Temperatur. Drittens die Küste. An Nord- und Ostsee sind die Winter mild, aber Frühjahr und Herbst bleiben lange kühl und windig. Die Heizperiode zieht sich dort, und Schleswig-Holstein landet in der Tabelle weit oben.
Auf der anderen Seite stehen der Oberrheingraben und die Rhein-Main-Region. Frankfurt, Mannheim, Freiburg und die großen Städte an Rhein und Ruhr gehören zu den wärmsten Orten Deutschlands. Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben deshalb die niedrigsten Werte, obwohl dort auch kalte Mittelgebirge liegen. Die Messstationen stehen eben in den Städten.
Alle 16 Länder im Vergleich zum Mittel
Die Tabelle zeigt die Gradtagzahl jedes Landes, ihren Abstand zum Mittel der 16 Länder von 3.181 und was das für die Gasrechnung des Beispielhauses mit 140 m² in Klasse E bedeutet, gemessen am Durchschnitt aller Länder von 2.567 €.
| Land | Gradtage | zum Mittel | Gas im Jahr zum Mittel | Stationen |
|---|---|---|---|---|
| Thüringen | 3.475 | +9 % | +192 € | Erfurt-Weimar, Gera-Leumnitz |
| Sachsen | 3.356 | +5 % | +114 € | Dresden-Klotzsche, Leipzig/Halle, Chemnitz |
| Schleswig-Holstein | 3.348 | +5 % | +109 € | Kiel-Holtenau, Luebeck-Blankensee, Schleswig |
| Bayern | 3.318 | +4 % | +89 € | Muenchen-Stadt, Nuernberg, Augsburg, Wuerzburg |
| Mecklenburg-Vorpommern | 3.280 | +3 % | +64 € | Schwerin, Rostock-Warnemuende, Greifswald |
| Hamburg | 3.251 | +2 % | +46 € | Hamburg-Fuhlsbuettel |
| Brandenburg | 3.221 | +1 % | +26 € | Potsdam, Cottbus |
| Saarland | 3.192 | +0 % | +7 € | Saarbruecken-Ensheim |
| Bremen | 3.177 | −0 % | −3 € | Bremen |
| Niedersachsen | 3.160 | −1 % | −14 € | Hannover-Langenhagen, Braunschweig |
| Berlin | 3.148 | −1 % | −22 € | Berlin-Tempelhof, Berlin-Dahlem (Met.Inst) |
| Rheinland-Pfalz | 3.081 | −3 % | −65 € | Mainz-Lerchenberg (Zdf), Trier-Petrisberg, Kaiserslautern |
| Sachsen-Anhalt | 3.076 | −3 % | −68 € | Magdeburg |
| Baden-Württemberg | 2.968 | −7 % | −139 € | Stuttgart-Echterdingen, Mannheim, Freiburg/Breisgau |
| Nordrhein-Westfalen | 2.929 | −8 % | −164 € | Duesseldorf, Koeln/Bonn, Essen-Bredeney, Muenster/Osnabrueck |
| Hessen | 2.917 | −8 % | −172 € | Frankfurt/Main |
Zwischen Hessen und Thüringen liegen 19 % bei den Gradtagen, bei den Gaskosten aber nur 15 %. Der Unterschied erklärt sich durch das Warmwasser: Rund 19 % des Wärmebedarfs entfallen nach der Feldmessung des Fraunhofer ISE darauf, und dieser Teil hängt nicht vom Wetter ab. Der Rechner skaliert deshalb nur die Raumwärme mit dem Klima.
Wie empfindlich die Rechnung auf das Klima reagiert
Für das Beispielhaus kosten 100 Gradtage mehr rund 65 € Gas im Jahr. Mit einer Luft-Wärmepumpe am Wärmepumpentarif der Bundesnetzagentur sind es rund 36 €, weil jede zusätzliche kWh Wärme dort weniger kostet. Die Wärmepumpe dämpft also nicht nur die Kosten, sondern auch die Abhängigkeit vom Wetter. Ein kalter Winter trifft einen Haushalt mit Gasheizung fast doppelt so hart. Das gilt auch zwischen den Jahren: Fällt ein Winter um einige hundert Gradtage kälter aus als der Schnitt, steigt die Rechnung im gleichen Verhältnis wie zwischen zwei Ländern.
Ihre Effizienzklasse
Klasse
E
| Endenergie im Jahr | 18.850 kWh |
| Strom einer Luft-Wärmepumpe | 4.801 kWh |
Referenzklima, ohne Korrektur für Ihr Bundesland.
Der Zustand des Hauses wiegt schwerer
So deutlich die Unterschiede zwischen den Ländern sind, sie bleiben klein gegenüber dem Einfluss des Gebäudes. Ein unsaniertes Haus der Klasse G mit 140 m² in Hessen, dem mildesten Land, zahlt mit Gas 3.717 € im Jahr. Ein Haus der Klasse C gleicher Größe in Thüringen, dem kältesten Land, zahlt 1.665 €. Die Klassen stammen aus Anlage 10 GModG; der Rechner nimmt jeweils die Mitte der Spanne an, was eine Vereinfachung ist. Wer seine Klasse nicht kennt, findet sie im Energieausweis, Erläuterungen dazu unter Gebäudeenergiegesetz.
Grenzen dieser Werte
Die Gradtagzahl eines Landes ist hier das Mittel von einer bis vier Stationen in großen Städten. Ländliche Gegenden und Mittelgebirge sind kälter, ein Haus im Erzgebirge oder im Hochsauerland braucht mehr Wärme als die Tabelle für Sachsen oder Nordrhein-Westfalen zeigt. Die Jahre 2021 bis 2025 waren außerdem milder als das langjährige Mittel, und die Monatswerte des Wetterdienstes sind vorläufige Daten. Für die Entscheidung zwischen zwei Heizungen spielt das kaum eine Rolle, weil das Klima beide Systeme gleich trifft. Für die absolute Höhe der Rechnung ist Ihr gemessener Verbrauch der bessere Startwert. Tragen Sie ihn im Heizkosten Rechner ein, den Strombedarf einer Wärmepumpe rechnet Wärmepumpe Stromverbrauch. Den Vergleich aller Heizungen je kWh Wärme zeigt Heizkosten Vergleich, den Gaspreis und seine Bestandteile erklärt Gaspreis.